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Nosrat Karimi - Biografie

Regisseur, Schauspieler, Drehbuchautor und Bildhauer  

Zusammenfassung

Nosrat Karimi (geb. 1925) ist ein renommierter Persönlichkeit der Theater- und Filmgeschichte Irans. Er begann seine künstlerische Tätigkeit als Maskenbildner und Schauspieler in Teheran, wo er unterschiedliche Rollen in verschiedenen Theatern spielte. Dann studierte er Filmregie in Prag und arbeitete danach in Rom als Regie-Assistent und Schauspieler. Zurückgekehrt nach Teheran begann Karimi als Filmemacher zu arbeiteten. Er drehte eine Reihe von Kino- und Fernsehfilmen, die ihn im Iran berühmt machten. Er lehrte auch als Professor an den Kunsthochschulen Teherans. In den späteren Jahren seines künstlerischen Wirkens fertigte Nosrat Karimi zahlreiche Skulpturen an, die im In- und Ausland ausgestellt wurden. Darüber hinaus verfasste er Bücher über Theater und Kino.

Frühes Leben 

Nosrat Karimi wurde 1925 in Teheran geboren. Schon als Kind hatte er eine Neigung zur Kunst. Er war fasziniert von den traditionellen Komödianten und persischen Clowns, die er bei Familienfeierlichkeiten bewunderte. Im Alter von sechs Jahren sah er zum ersten Mal Filme von Charlie Chaplin und war bezaubert von der Figur des armen Vagabunden, der trotz aller Niederschläge des Lebens unschlagbar blieb. Schnell lernte er, Chaplin zu imitieren und fand unter seinen Familienangehörigen die ersten Zuschauer.

Im Alter von neun Jahren sammelte er seine ersten Erfahrungen mit der Maskenbildnerei. Sein ältester Bruder, Ali Karimi, erkannte Nosrats Liebe zum Schauspiel und ermunterte ihn dazu. Im Alter von zehn Jahren fertigte er von Ferdowsi, dem berühmten persischen Dichter, eine Büste an, wofür er ausgezeichnet wurde. 

Künstlerischer Werdegang  

Nach der Beendigung der Grundschule besuchte Nosrat Karimi die Deutsche Gewerbeschule in Teheran. Nach drei Jahren schrieb er sich in die einzige Schauspielschule ein, die es damals in Teheran gab. Dort studierte er von 1938 bis 1941 Schauspielkunst, Masken- und Bühnenbildnerei. Sein wichtigster Lehrer und Mentor war der bekannte Theaterschauspieler und Regisseur Abdolhossein Noushin. Er gilt bis heute als der Begründer des modernen iranischen Theaters. Ab 1940 arbeitete Karimi als Schauspieler, Maskenbildner und Bühnenautor in verschiedenen Schauspielhäusern von Teheran. 1944 schloss er sich der Gruppe Noushin an, der er bis 1952 angehörte. Er spielte u. a. in den Bühnenstücken „Die Schokoladenverkäuferin“ und „Eugenie Grandet“.

Anfang 1953 reiste Nosrat Karimi nach Italien. In Rom lernte er die berühmten italienischen Filmregisseure Luchino Visconti und Vittorio De Sica kennen. Besonders beeindruckt haben ihn ihre neorealistischen Filme. Nach einer Weile reiste Karimi weiter nach Wien und schließlich nach Prag. Dort studierte er Film- und Fernsehregie und spezialisierte sich auf Marionetten- und Zeichentrickfilme. Sein bedeutendster Lehrer in der Kunstakademie von Prag war Karl Zeman, der renommierte tschechische Animationskünstler. Nach dem Studium in Prag kehrte er zurück nach Rom und blieb dort drei Jahre. Er arbeitete als Regieassistent für De Sica, spielte auf der Bühne, trat in Musicals auf und synchronisierte italienische Filme für den iranischen Filmverleih. Karimi lebte fast zwölf Jahre in Europa. 

Berufliche Karriere

1964 kam Nosrat Karimi zurück nach Teheran. Nach einigen Drehversuchen beim kommerziellen Kino wurde er 1965 vom Ministerium für Kunst und Kultur beauftragt, die staatliche Werkstatt für Animationsfilme zu leiten und weiter auszubauen. Während dieser Zeit entstand eine Reihe von Kurzfilmen, die einheimische und internationale Preise gewannen, darunter: „Das Leben“, der erste persische Zeichentrickfilm überhaupt; und „König Jamshid“, ein Märchen aus Ferdowsis Schah-Nameh (Buch der Könige), dem Nationalepos Irans.

In der gleichen Periode produzierte Karimi zwei TV-Serien: „Herr Kläger“, ein Marionettenspiel und „Die Ehe“, eine zwanzigteilige Serie über den Ehealltag. Durch diese populären Serien wurde Karimi einem breiten Publikum im Iran bekannt. Etwas später begann er mit seiner Tätigkeit als Professor am Fachbereich der Schönen Künste der Universität Teheran sowie an der Akademie der Darstellenden Künste, wo er verschiedene Kunstrichtungen lehrte.

1969 begann Karimi mit den Dreharbeiten zum Spielfilm „Der Dieb und der Wachmann“ - eine persische Adaption der Erzählung von Räuber und Gendarm. Wegen Einmischung des Produzenten gab er jedoch die Regie auf, nachdem ein großer Teil des Filmes bereits gedreht worden war. Im gleichen Jahr drehte der britische Regisseur Terence Young den Film „Mohn ist auch eine Blume“. Er engagierte Karimi als Maskenbildner für seinen Hauptdarsteller Yul Bryner und andere Akteure. 

Hauptfilme und Fernsehserien

Von 1971 bis 1973 drehte Nosrat Karimi drei Kinofilme: „Der Kutscher“, „Die Lösung“ und "Ein Bett für Drei". Dabei führte er nicht nur Regie, sondern schrieb jeweils auch das Drehbuch und spielte die Hauptrolle. In diesen Filmen erzählt Karimi mit Witz und Ironie drei Geschichten, die zusammen eine durch den italienischen Neorealismus inspirierte Trilogie bilden. Im Mittelpunkt steht das Leben der städtischen Durchschnittsbürger mit allen ihren kleinen und großen Schwierigkeiten. Eingezwängt in die Fesseln der Tradition und Intoleranz geraten die Protagonisten in scheinbar ausweglose Situationen. Am Ende finden sie dann doch die Lösung, indem sie Vernunft annehmen.  

„Der Kutscher“ war ein großer Erfolg sowohl beim Publikum als auch bei der Kritik. Dieser Film, in dem auch sein Sohn Babak Karimi eine Rolle hat, war als iranischer Beitrag für ausländische Filmfestspiele vorgesehen. Er wurde jedoch von der Zensurbehörde verboten. Erst Jahre später konnte er in europäischen Cinematheken vorgeführt werden. „Die Lösung“ war ein außerordentlich großer Publikumserfolg, der viele Wochen in mehreren Kinos gleichzeitig lief. Über Nacht wurde Karimi vor allem durch diesen Film landesweit berühmt. "Ein Bett für Drei" hatte dagegen nur mäßigen Erfolg, obwohl er thematisch an die beiden ersten Filme anknüpfte. Karimis Bekanntheit und seine Erfolge beim Publikum führten dazu, dass er von vielen Produzenten attraktive Angebote bekam. So spielte er in den 70er Jahren in einigen kommerziellen Filmen anderer Regisseure. Eine Nebenrolle übernahm er auch in einer japanisch-iranischen Gemeinschaftsproduktion. 1975 drehte der Cineast seinen vierten und letzten Kinofilm „Der Elende“. Der Film, eine Satire auf die Bauspekulation der 70er Jahre in Teheran, kam beim Publikum gut an und wurde von der Kritik gewürdigt.  

1976 spielte Karimi eine der Hauptfiguren in der TV-Serie „Mein Onkel Napoleon“. Die Serie gilt als die erfolgreichste, die je im iranischen Fernsehen gezeigt wurde. Ein Jahr später produzierte der Künstler die Fernsehserie „Khosro Mirsa II“. Diese 16-teilige Serie, eine Groteske über eine aristokratische Familie, sollte unfreiwillig sein letztes Werk für eine lange Periode werden. Zwar schrieb er danach noch ein Drehbuch und bereitete seinen nächsten Film vor. Die Revolution von 1978/79 machte jedoch der Filmproduktion vorerst ein Ende.

Spätere Werke    

Nach der Gründung der Islamischen Republik durfte Nosrat Karimi als Filmemacher nicht mehr arbeiten. In dieser Zeit fertigte er viele Mimik-Skulpturen an, die in zahlreichen Ausstellungen gezeigt wurden. Erst 1987 durfte Karimi wieder ein Marionettenstück -  „Der ungebetene Gast“ - aufführen. Danach drehte er den Animationsfilm „Der Mitspieler“. 1996/97 produzierte er das Puppenspiel „Aufsässig“ als TV-Serie. Zu seinen weiteren Arbeiten gehören die Produktion einer Reihe von TV-Kurzfilmen über Umweltschutz sowie Bücher über die Kunst.  Vor kurzem verfasste er ein Buch als Festschrift über das Leben seines Mentors und des Vaters des modernen persischen Theaters Abdolhossein Noushin.

Nosrat Karimi lebt - nunmehr neunzig Jahre alt - zusammen mit seiner Frau Parvin Teimuri in Teheran.